Kraniche - Ein Bericht - Thomas Elsner

Direkt zum Seiteninhalt

Hauptmenü:

Kraniche - Ein Bericht

Berichte > Kraniche

Kranichrast - ein besonderes Erlebnis

Ein Bericht über die Fotoexkursion im Oktober 2010, organisiert vom Kranischschutz Deutschland unter Leitung der Naturfotografen Jan Bleil und Thomas Weber.

Besonders hier in der Region Frankfurt ist der Kranich etwas, was täglich über uns hinweg fliegt. Dies allerdings in Form der Lufthansa Flugzeuge, die als Wappen den Kranich haben. Somit ist es auch nicht verwunderlich, dass die Lufthansa Umweltförderung den Kranichschutz unterstützt.
Obwohl ich beruflich immer mal wieder mit der Lufthansa fliege, war mir der "echte" Kranich nie so richtig im Bewusstsein und hat mich nie fotografisch so wirklich angesprochen. Verschiedene Berichte über den Kranich und dessen Rast im Raum Rügen haben mich aber dann doch neugierig gemacht und über 2 Jahre reifte so der Entschluss dieses Spektakel einmal selber zu erleben.

Am 16. Oktober ging es schon früh morgens los. Unser Ziel ist das Naturcamp zu den zwei Birken in Duvendieck - eine Woche Kranichbeobachtung und die Landschaft um Stralsund und Rügen erkunden. Die Fahrt war alles andere als erfreulich. Ein Dauerregen begleitete uns. Irgendwo im Mecklenbucg Vorpommern stieg plötzlich ein Fischadler neben uns auf und überquerte vor uns die Autobahn. (Die Kamera war natürlich im Kofferraum...)

ABER DANN... kurz vor der Ostseeküste war plötzlich strahlender Sonnenschein. Die letzten Kilometer ließen alles vergessen. Gekrönt war das letzte Stück dann auch schon mit den ersten Kranichen, die etwas entfernt auf einigen Feldern zu sehen waren.

Kaum hatten wir unsere Hütte bezogen war von draußen das laute Schreien der kraniche zu hören - also nichts wie raus und schon mal ein paar erste Fotos machen. Auf einem Feld ca. 500 Meter entfernt saßen einige hundert Kraniche und begrüßten uns. Ich glaube, dass hier ein breites Grinsen wohl in meinem Gesicht zu sehen war.


Dann ging es aber erst richtig los! Möglicherweise wurden die Tiere aufgeschreckt oder sind auch einfach nur weitergezogen um sich für den Flug zu den Schlafplätzen zu sammel. Mit einem riesen Getöse flogen die Kraniche los!

So konnte ich den Rest den Nachmittags auf der Terasse verbringen und genießen, wie ein Schwarm nach dem anderen an uns vorbeiflogen.

Die untergehende Sonne tat dann noch das Ihrige um die Kraniche in ein schönes rotes Licht zu tauchen.

Hallo Kraniche - ich bin da! Dann lasst uns mal sehen, was da noch so geht!!!

Die folgenden Tage war dann am Nachmittag der Günzer See angesagt. Die Fotoexkursion soll ja erst am Mittwoch starten. Da der Wetterbericht aber nicht wirklich Gutes voraussagt und derzeit die Sonne noch lacht, wollte ich schon mal ein paar Aufnahmen machen. Was ich heute aber noch nicht wissen konnte, der Wetterbericht hatte zwar recht, aber die Regenphasen waren die ganze Woche immer nur kurz und die Woche mit der Truppe sollten einfach klasse werden. Ein paar Bilder waren dann am Ende auf den Chips bzw. Laptops. Das ein oder andere scheint auch etwas geworden zu sein :-).

Am Ende - nach erster grober Sichtung am Netbook und Löschen der total unscharfen Bilder und derer, wo z.B. im Flug der halbe Kranich fehlt - kamen 5600 Bilder nach Hause. Das sind umgerechnet 136 GB Daten aus 2 Kameras...

Aber zurück zum Günzer See... Dies ist eine bekannte Ablenkfütterung, die der Kranichschutz Deutschland unterhält. Ein Bauer streut hier täglich Futter für die Kraniche aus. Damit wird erreicht, dass die Kraniche nicht über die frisch eingesäten Felder herfallen. Die Saat ist nach ca. 2-3 Tagen für die Kraniche nicht mehr interessant, wenn die Körner anfangen zu sprießen.



Woher ich das weiß? Ich war in Großmohrdorf beim Kranichzentrum! Wer in der Gegend ist, der sollte sich die Zeit für einen Besuch nehmen. Dort wird ein kleiner Film gezeigt über die Kraniche, wo sie brüten und wo sie überwintern.

Die Ranger dort beantworten auch gerne alle Fragen. Das gilt natürlich auch für die freiwilligen Ranger an der Ablenkfütterung am Günzer See.

Diesen Platz kann man auch nicht verfehlen. An der Bundesstraße kommt plötzlich ein kleiner Parkplatz und da stehen haufenweise Autos und Fotografen! Auf beiden Seiten der Bundesstraße halten sich meist die Kraniche auf. Dabei kann man schöne Flugaufnahmen machen, wenn die Vögel am Nachmittag von der Wiese am Parkplatz auf die andere Seite wechseln und man dabei die Sonne im Rücken hat.

Die meisten Vögel sind Mitte / Ende Oktober schon weitergezogen. Der Rasthöhepunkt ist Anfang Oktober. Es ist dabei kaum vorstellbar, wie es erst ist, wenn hier ca. 70.000 Kraniche in der Region sind. Um den 20. Oktober waren noch etwas 15.-20.000 Tiere da - und die haben mich schon schwer beeindruckt.

<br />
<br />

Normalerweise gibt es zwei solche Ablenkfütterungen. Neben dem Günzer See hat ein weiterer Kranichverein noch eine Schneue in Hohendorf (Utkiek) gepachtet. Dort kann man dann bei Kaffee und Kuchen die Tiere beobachten und fotografieren. Dieses Jahr wurden aber die Maisfelder nicht abgeerntet, so dass hier keine Kraniche zu sehen waren. Erst Ender der Woche fing der Bauer mit der Ernte an. Somit war wohl auch der Andrang am Günzer See höher als sonst. Auf jeden Fall standen hier haufenweise Fotografen und zeitweise war kein Parkplatz mehr zu bekommen.

Am Sonntag kam auch noch ein Imbiss vorbei und hat Essen und Trinken verkauft. Am Montag hatte einer der Fotografen sogar schon ganz sehnsüchtig auf den Wagen gewartet, da er gerne einen Kaffee wollte - aber die Saison war wohl für den Imbiss rum, denn er kam nicht.


Die Kraniche sind auch bekannt für Ihre Freudentänze. Ich habe mehrfach beobachtet, wie ein Kranich anfängt und am Ende hüpfen und tanzen gleich mehrere Tiere.


Am Montag kamen dann auch schon unsere Exkusrionsleiter Jan und Thomas an und wir haben schon mal einen ersten Plausch gehalten. Jan gab mir noch den Tipp, dann am Abend die Kraniche auf dem Weg zu den Schlafplätzen über die Meiniger Brücke einfliegen. Etwas Abseits vor der Meiniger Brücke kann man dann ggf. gute Bilder machen. Die Ausbeute an Bildern war zwar am Abend nicht so gut, da es sehr bewölkt war, aber das Bild lässt es u.U. erahnen, was sich für ein Schauspiel ereignet. Ziehmilch pünktlich um 18:00 Uhr zieht eine Kranichformation nach der nächsten über einen hinweg - immer begleitet vom Geschrei der Vögel. Oft hört man sie schon bevor man sie überhaupt sieht.

Dabei kann man auch abends am Günzer See sehr schön beobachten, wenn die Kraniche zu den Schlafplätzen abfliegen und dabei lassen sich auch ganz nette Lichtstimmungen einfangen - wie ich meine.

Somit kann ich schon mal nach ein paar Tagen ein sehr positives Fazit ziehen. Was ich aber jetzt noch gerne im Kasten hätte, dass wären Kraniche, die "durch die Sonne fliegen" oder "durch den Mond". Solche Bilder sieht man immer wieder in entsprechenden Foren und das sind sehr beeindruckende Bilder. Dabei sind diese Aufnahmen gar nicht so schwer... Es muss lediglich der Mond bzw. die Sonne richtig stehen, die Wolken auch noch perfekt in Position kommen und dann muss nur noch ein Kranich durchs Bild fliegen...

Ein paar Worte zu Kranichzug möchte ich aber auch noch hier loswerden. Das Bild links zeigt den Kranichzug (Quelle: Schaukasten Kraniche im Meeresmuseum Stralsund). Die Kraniche aus Skandinavien fliegen primär Richtung Spanien. Dabei machen sie im Osten Deutschlands rast und stärken sich für den Flug nach Süden. Dabei ist die Region im Rügen nur eine bekannte Raststation. An der Autobahn zwischen Rostock und Berlin kann man auch viele Tiere sehen (Linumer Bruch).

Die Kraniche aus der Gegend um Polen fliegen dabei die östliche Route.

Sobald der Wind günstig ist, steigen sie in Kreisen in höhere Luftschichten und lassen sich förmlich nach Spanien treiben. Dabei können sie durchaus 120 km/h erreichen und in 24h nach Spanien fliegen

Zurück zum Seiteninhalt | Zurück zum Hauptmenü