Tamron 150-600 - Praxistest - Thomas Elsner

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Tamron 150-600 - Praxistest

Technik & Tests

Tamron SP 150-600 F 5-6.3 VC USD

März 2014

Licht und Schatten eines neuen Objektives - oder Wie ein Objektiv die Wildlife Szene "aufmischt"!

Seit Anfang 2014 ist nun das neue Tamron 150-600 jetzt auf dem Markt und bereits im März 2014 ist es ausverkauft... Warum dies so ist wird schnell klar, wenn man die ersten Bericht in den Foren liest und das Teil auch mal ausprobiert.

Wer im Bereich Tierfotografie, egal ob Zoo, Tiergehege oder Wildlife, unterwegs ist, der merkt schnell, dass möglichst viel Brennweite notwendig sind. Im Bereich Wildlife ist dies in den meisten Gegenden hier in Deutschland besonders wichtig, da die meisten Tiere bei uns recht scheu sind. Da bleibt natürlich der Griff zu den Profi-Objektiven ab 300mm ggf. in Kombination mit einem Telekonverter. Diese Objektive liegen aber mit Preisen deutlich über 5000,- Euro weit über dem, was viele für ihr Hobby ausgeben wollen. Daher haben einige Hersteller schon lange entsprechende Telezooms im Angebot, die mit max. 400 mm bzw. 500 mm aufwarten und preislich zwischen 800 und 2000 Euro liegen. Rein preislich liegt da das neue Tamron mit einem aktuellen Ladenpreis von 1199,- Euro also ganz gut, besonders, wenn man die Ausstattung mit VC - also Bildstabilisator - und USD - der schnelle und leise Autofocus bei Tamron - sieht.

Neben dem Preis ist den meisten Fotografen aber das Bildergebnis das wichtigste. Bei vielen Telezooms erkennt man einen deutlichen Abfall in der Qualität am sog. langen Ende der Objektive - also bei max. Brennweite und genau die ist es, die viele ja benötigen. Bisher gab es für die Canon Fotografen da nur die Alternative des EF 100-400 L IS, welches auch bei 400mm gute Ergebnisse liefert und an einigen Canon Kameras auch noch mit 1,4 TK inkl. AF betrieben werden kann. Das 100-400 ist aber auch schon 15 Jahre alt und viele warten auf einen Nachfolger, der jedes Jahr immer wieder in den Gerüchteküchen auftaucht, aber eben dann doch nicht in den Läden. Nikon gerade erst ein neues 80-400 im Programm, was allerdings auch mit der akutellen Technik gleich mit 2500,- Euro zu Buche schlägt.

Und genau da haben wir wie aus dem Nichts das neue Tarmon und das zeigt auch bei 600mm Freihand in den ersten Berichten richtig gute Ergebnisse... Soll denn tatsächlich der Traum aller Tierfotografen wahr werden und es gibt viel Brennweite zum günstigen Preis? Die Antwort ist wie immer - Ja und Nein.

Ja - es gibt ein neues Objektiv, welches richtige gute Ergebnisse abliefert und Spaß macht, aber eben auch Schwächen zeigt und den teuren Superteles von Canon und Nikon nicht ganz das Wasser reichen kann... aber doch sehr nah dran ist!

Ich will im Folgenden meine Eindrücke des neuen 150-600 zeigen und auch die Bereiche, wo es Schwächen zeigt bzw. auch die Dinge, die der Fotograf beachten soll, wenn er zum ersten Mal mit einer solchen Brennweite arbeitet.

Ich hatte bewusst den Untertitel Licht und Schatten gewählt. Es überwiegt aber ganz klar der Bereich "Licht"... Fangen wir mit dem an, was die meisten sicher fotografieren werden - mehr oder weniger ruhende Motive bzw. nur leichte Bewegungen. Hier ist das Tamron fast perfekt. Beachtet man die  Grenzen, die uns die Physik einfach nun mal bietet, so hatte ich fast keinen Ausschuss bei den Bildern, die ich nicht selber verschuldet habe. Wobei ich sehr viel mit einem stabilen Carbonstativ mit Berlebach Albatros Stativkopf gearbeitet habe, damit das Objektiv recht ruhig liegt. Zwar ist der neue VC des Tamron recht gut und kann auch viele Bewegungen abfangen, aber ein Stativ ist doch ein besserer Garant für gute Bilder.


Die nächsten Bilder sind Freihand bzw. mit Einbein Stativ im Opelzoo entstanden:

Wie nah aber ist das Tamron wirklich an den Superteles dran?

Fangen wir mal mit der Lichtstärke an. Da ist bei den Superteles mit Anfangslende 4 oder 2,8 schon noch etwas mehr Luft . Rein von der Bildqualität erscheinen die Bilder mit dem EF 500 / 4 auch ´mit 1,4 TK noch Detailreicher. Wobei auch das Tamron auch sehr detailreich ist, aber eben nicht ganz so. Hier macht sich dann der Mehrpreis durchaus bezahlt, wenn man denn mit der Fotografie sein Geld verdienen muss. Dann hatte ich mit dem Tamron durchaus auch immer mal Bilder, die "matschig" erschienen. Nicht viele, aber doch ein paar, was wiederum mit den Superteles so fast nicht vorkommt.

Anbei mal 2 Beispiele aus der Fasanerie Wiesbaden.

Luchs - Canon 5D III mit Tamron / 600 mm

Besonders deutlich empfinde ich den Unterschied aber bei schnell bewegten Motiven. Hier ist der Ausschuss doch (bei mir - bisher) recht hoch. Aufnahmen mit Belichtungszeiten von 1/1600 ergeben einige gute Aufnahmen, wobei aber ein deutlicher Ausschuss zu verzeichnen ist. Zum Einsatz bei den kommenden Bildern kam eine Canon 1D Mark IV mit 10 Bildern/s. In den Serien der fliegenden Störche kam es immer mal zu Aufnahmen die "matschig" waren. Hier scheint mir ohne Übung und gezielt gewählten Einstellungen schnell der Frust beim Fotografen aufkommen zu können, weil das Tamron hier halt auch keine Wunder vollbringen kann. Der VC war bei den Aufnahmen aus, da dies wohlmöglich zu höheren Trefferquoten führen kann. So meine bisherigen Erkenntnisse, die sich auch mit Berichten aus Foren decken.

Mein Fazit ist ganz klar PRO Tamron 150-600. Da hat Tamron was ganz Feines für uns herausgebracht und ich kann das Objektiv nur empfehlen. Mit den ca. 2 kg Gewicht kann man es auch mal auf Spaziergänge mitnehmen oder in den Urlaub. Trotz dem guten Bildstabilisator sollte man aber diese 600mm Brennweite nicht unterschätzen. Ich kann jedem nur raten mal mit 600mm zu versuchen aus der Hand einen Punkt zu fixieren - da sieht man mal, wie das Wackelt!!! Also ruhig mal zum Einbein Stativ oder zum leichten Reisestativ greifen, damit man sich am Ende auch an tollen Bildern erfreuen kann!

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